Alexander Ruhe: Die Hyäne im Stadtwald. Frankfurt und die wilden Tiere. Januar 2012

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

Frankfurt war schon immer ein Sammelpunkt für exotische Tiere. Erst mal lebten die Tiere aber nicht dauerhaft in der Stadt, sondern Schausteller brachten sie jeweils zu den beiden Messen, zu denen sich zehntausende von zahlungskräftigen Kaufleuten in Frankfurt aufhielten, hierher.

Löwen, Straußen und vor allem Elefanten faszinierten die Leute. Wilde Tiere, speziell Elefanten nach Europa zu bringen, war sehr schwierig, weshalb die Frankfurter auch nur etwa alle 20-30 Jahre in den Genuss eines Elefanten kamen. Der erste von dem wir wissen, war 1443 hier zu sehen – da war noch kein Seeweg nach Indien bekannt, so dass dieser Elefant wohl nach Frankfurt gelaufen war.

1483 kam dann der nächste Elefant, diesmal sogar ein afrikanischer. Er sollte bis zur Kolonialisierung Afrikas einer von ganz wenigen afrikanischen Elefanten sein, den man in Europa zu sehen bekam. Das Tier kam auch nicht zur Messe, es wurde von seinem Führer Hans Filßhover als Geschenk des portugiesischen Königs an den deutschen Kaiser von den Niederlanden nach Wien gebracht. In Frankfurt wurde er in der Gallusgasse ausgestellt und in Lebensgröße auf die Wand eines nahegelegenen Hauses gemalt.

der Elefant Ferdinands III. 1483

Dann kam erst mal länger kein Elefant mehr, so dass der, der zur Frühjahrsmesse 1629 in die Stadt kam, wieder als der erste Elefant Deutschlands beworben werden konnte; der konnte dann aber auch schon Kunststückchen und  aus einem für Menschen gedachtem Glas Wein trinken.

der Elefant von 1629                                                    Der Elefant von 1773 hatte ein schlimmes Bein und man wähnte ihn schon gestorben

                                                               er führte aber trotzdem im Pfau, am Neuen Tor, seine Kunststücke vor

Dem schwarzen Elefanten Baba, der zur Herbstmesse 1826 in Frankfurt war, gefiel es so gut hier, dass er gar nicht mehr weg wollte; nachdem bei seiner Ankunft in Frankfurt sein Transportwagen umgekippt war, weigerte er sich wieder in diesen Wagen hineinzusteigen. Man ließ ihn hungern und legte nach fünf Tagen sein Futter in den Wagen, Baba aber - auch nicht dumm - holte sich das Futter nachts, als sein Wärter schlief. Dieser wollte ihm jetzt mit Gewalt zwingen, danach aber brauchte der Wärter einen Arzt. Baba blieb in Frankfurt und ließ nur noch die zwölfjährige Tochter der Eigentümerin an sich heran. Die italienischen Besitzer meldeten den Sachverhalt der Polizei und sagten, sie müssten vorerst in Frankfurt bleiben. Da hier ihr Messegeschäft aber gar nicht gut gelaufen war, hatte sie außerdem einen Wechsel über 4000 Gulden nicht einlösen können. Die Polizeibehörde ordnete jetzt an, Baba solle erschossen werden. Da so etwas in Frankfurt aber nicht geht und man außerdem auch gar nicht wusste, wie man einen Elefanten erschießt, der Frankfurter Afrikaforscher Rüppell war noch auf Reisen, sammelten die Frankfurter Geld, der Wechsel wurde eingelöst und Baba zog um in den Garten des Vergnügungslokals Vauxhall auf der Zeil, wo er gegen 12 Kreuzer Eintritt zu bestaunen war. Aber Baba kam immer mehr herunter, und auch das Vauxhall hielt sich nicht 1830 machte es zu und von Baba hörte man nichts mehr. Frankfurt war wieder ohne Elefanten.

Mit Bären hatte man in Frankfurt auch nicht mehr Glück. Im April 1818 kaufte die Senckenbergische Naturforschungsgesellschaft für 34 Gulden einen „abgelebten“ Tanzbären, den man nun vor Publikum sezieren wollte. Um die Organe möglichst nicht zu beschädigen, wurde der in einer Kiste sitzende Bär, mit einem auf einer Stange befestigten Bajonette erstochen. Man ließ ihn eine Stunde lang ausbluten, um dann die Sezion an ihm vorzunehmen. Der für tot gehaltene Bär rappelte sich aber wieder auf, riss sich von der Kette los und jagte die zahlreiche, nicht zuletzt aus Damen bestehende Zuschauerschaft quer durch den Saal. Versuche, ihn mit Dolchen zu erstechen und ihn zu strangulieren schlugen fehl, so dass er von zwei anwesenden Jägern erschossen werden musste.

  Mit den schnellen Dampfschiffen und vor allem durch den Transport mit der Eisenbahn  wurde der Bezug von wilden Tieren in Europa einfacher (in Antwerpen entwickelte sich eine richtiggehende „Wildtierbörse“ ), so dass nun ganze Menagerien die Frankfurter Messen besuchten, so zum Beispiel  immer wieder Kreuzbergs Menagerie die auch zur Frühjahrsmesse 1853 in der Stadt war. Diese Menagerien zeigten den Frankfurtern: „ wie der Mensch durch Anwendung seiner Kräfte die von der Natur wildesten und grausamsten Geschöpfe aller Zonen sich unterwerfen und zur Folgsamkeit zwingen kann.“. Gottlieb Christian Kreuzberg zeigte im Hof des Gasthofs „zum gelben Hirsch“ : sieben Löwen, einen Königstiger, vier Panther, mehrere Jaguare, einen Leoparden, eine gefleckte Hyäne, eine Hyänenfamilie, zwei Strauße, einen Baribal (ein amerikanischer Schwarzbär), ein Nilkrokodil, zwei Boas, eine Riesenschlange, Klapperschlangen, einen Eisbären, sowie den indischen Riesenelefanten „Miß Baba“. Kreuzberg aber hatte in Frankfurt kein Glück, als er vor Zuschauern in den Käfig eines Löwenpaares gestiegen war, griff der Löwe ihn an. Kreuzberg konnte sich nur retten, indem er dem Tier seinen Arm in den Rachen stieß und es an der Zunge packte, was seinem Arm natürlich gar nicht gut tat. Kaum war Kreuzberg wieder abgereist, wurde eine wildernde Hyäne im Stadtwald gesichtet. Kreuzberg bestritt zwar, dass ihm ein solches Tier abhanden gekommen wäre, aber immer wieder wurde es gesehen, ja sogar ein Preis auf es ausgesetzt. Nachdem aber auch Hyänen-Sichtungen bei Liege und sogar aus Spanien gemeldet wurden, glaubten Frankfurts Journalisten doch eher an eine der typischen Sommerloch-Geschichten (die bis heute fast jährlich in Form des „Krokodils im Badeteich“ wiederaufleben), lagen damit aber falsch, denn im April des folgenden Jahres wurde ein verwilderter Hund, der einer Hyäne sehr ähnlich sah im Wald geschossen. Gegen Geld und ausgestopft konnten sich die Frankfurter ihre „Hyäne“ dann im Frankfurter Haus (bei Neu Isenburg) anschauen.

 1854 kam zur Herbstmesse dann der Zirkus Renz in die Stadt und präsentierte den Frankfurtern seine beiden afrikanischen Elefanten, Jack und Jenny und als kurz darauf auch noch zwei lebende südamerikanische Seeschildkröten mit der Bahn ankamen und hier ausgestellt wurden, konnten die Frankfurter, zumindest was wilde Tiere anging, nicht mehr meckern. Die beiden Schildkröten verließen Frankfurt auch nicht mehr, sondern ihr Besitzer, der Pastetenbäcker Ferdinand Schneider servierte sie den Gästen seines Feinschmeckerlokals am Goetheplatz in Form von Suppe.

1858 wurde dann, nach längerem Vorlauf, endlich, als achter in Europa, der Frankfurter Zoo gegründet, erst mal als Aktiengesellschaft an der Bockenheimer Chaussee (heute B. Landstraße). In diesem neuen Zoo, durch die Erfahrung mit der Hyäne war man wohl vorsichtig geworden, war das Halten von fleischfressenden Großtieren allerdings polizeilich verboten, aber was ist schon ein Zoo ohne Löwen ? Eben ! – die Aktionäre kannten Mittel und Wege um dann doch Raubtiere zeigen zu dürfen.

1865 allerdings, ging einer der drei neuangeschafften Frankfurter Tiger, unter ungeklärten Umständen, seines Schwanzes verlustig und Friedrich Stoltze mutmaßte, dass wohl die Preußen sich an der Freien Stadt Frankfurt hätten rächen wollen.

Den  Preußen sind Frankfurts Raubkatzen aber dann doch nicht entkommen.  Im Juli 1866 besetzten preußische Truppen Frankfurt und fingen sofort an, die freie und eigentlich ja reiche Stadt, finanziell zum Weißbluten zu bringen. Jetzt fehlte den Frankfurtern auch das Geld für ihren Zoo und so musste der Zoo schon im August all seine Raubkatzen an den Hamburger Tierhändler Hagenbeck verkaufen - so dass Frankfurt jetzt noch nicht mal mehr einen schwanzlosen Tiger hatte.

Am 26 März 1866 wurde auf dem Main eine Nilgans gefangen, die ja seit etwa 10 Jahren jetzt ein dauerhafter Bewohner des modernen Frankfurts geworden ist. Da dem Zoo keines seiner fünf Exemplare fehlte und sich das Tier als wild und bissig erwies, wurde das Tier erst gegen Geld von den Schiffern und dann ausgestopft in der naturkundlichen Sammlung zur Schau gestellt.

Schon im Sommer 1864 war ein Lippenbär verendet. Eine Dame aus Celle hatte mit ihrem Sonnenschirm im Bärenkäfig herumgestochert, der Bär zerbiss den Schirm, verschluckte Teile davon und verschied. Zum Ausgleich biss noch im gleichen Jahr ein anderer Bär einem Besucher, der ihn necken wollte, einen Finger ab. Der Fingerbeißerbär kam ausgestopft ins Museum, der Dame mit dem Schirm aber wurde der Lippenbär mit 340 Talern in Rechnung gestellt (davon konnte man 2550 Eintrittskarten für den Zoo á 12 Kreuzer kaufen). 

Nur für den eigenen Schaden musste 1873 ein gerade aus Frankreich zurückgekehrter Offizier aufkommen, der mit den Bären „gespielt“ hatte. Die Bärin Katherine biss ihm die Mütze vom Kopf und fraß deren „fettiges Futter“.

An wirklich artgerechte Tierhaltung dachte man damals noch nicht, die Belehrung und Unterhaltung des Publikums stand im Mittelpunkt. Das Ziel war, den Frankfurtern ganz besondere Seltenheiten zu bieten, so zum Beispiel Orang Utans. Im Sommer 1873 war es endlich, nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen,  gelungen, zwei lebende Tiere nach Frankfurt zu bringen, Zoodirektor Dr. Schmidt war zur Abholung der Beiden extra nach Holland gefahren.  Einer der beiden Menschenaffen starb gleich am Morgen nach der Ankunft, der andere war gesund, da man ihm aber kein adequartes Futter bieten konnte und die Tiere auch das Frankfurter Wetter nicht vertrugen, rechnetet man mit seinem baldigen Ableben und Frankfurts Zeitungen empfahlen ihren Lesern sich den Affen bald anzuschauen; ein guter Rat, vier Wochen später war das Tier tot. 

 

der Zoo 1875

Als der Zoo 1874 an seinen heutigen Standort zog, war ein Bärenzwinger mit das Erste, was man dort auf der Pfingstweide errichtete (direkt auf den Massengräbern der Kriegslazarette von 1813/14, die man da schon ganz vergessen hatte und jetzt wieder fand). Für den neuen Zwinger, hat man auch einen neuen Bären kommen lassen, den Bier trinkenden Riesen-Bär Martin aus Straßburg. Auch für die Großkatzen hatte man gebaut und die Löwen und die Tiger, die es jetzt wieder gab,  zogen am 30. Mai in den Eckpavillon des Raubtierhauses. Nicht mit umgezogen ist der Löwenwärter, dem hatte ein Löwe zehn Tage zuvor die Hand abgebissen. Als dann kurz nach dem Umzug auch noch ein Leopard aus seinem Käfig ausbrach, brach unter den Besuchern des Zoos eine Panik aus. Alle Besucher verließen den Zoo und das Militär umstellte den Leopardenkäfig, unter dem sich das Tier versteckt hielt. Auch eine größere Zahl von Frankfurter Jägern (die Jagd war damals, speziell in Sachsenhausen, Volkssport) strömte zur Leopardenjagd in den Zoo, kam aber nicht zum Zuge, vorher hatten Tierpfleger die verängstigte Katze unter dem Käfig hervorgezogen.  

 

Schon 1863 hatte ein Mann verucht, den Wolf des Zoos, durch das Gitter des Käfigs hindurch zu streicheln. Dieser wollte sich aber nicht streicheln lassen und verbiß sich in die Hand des Mannes. Angefeuert durch das Geschrei des Mannes verbreitete sich im Zoo das Gerücht, der Eisbär sei ausgebrochen. Schwerbewaffnet zogen jetzt die Zoowärter unter Leitung des Direktors durch den ganzen Zoo, wo sich aber mittlerweile alles wieder beruhig hatte, so dass es nicht auch zu einer Frankfurter  Eisbärenjagd kam.

 

Dann wurde es im Frühjahr 1899 mit dem Raubkatzenschießen aber doch ernst.  Der Schwager des Zirkusdirektors Schumann, der Star-Dompteur Julius Seeth, war aus Äthiopien mit 21 neuen Löwen zurückgekehrt.   Mit 10 von diesen und 10 seiner alten Löwen trat er nun in Frankfurt erstmals mit einer Mega-Dressur auf.   "Sultan", Louis", "Emir", "Romeo", hieß es da und die Peitsche knallte.  Der einzige, der nicht so wollte, war der siebzehnjährige Berberlöwe Romeo, der war gerade in der Brunst und schlecht gelaunt.   Als schon alle Löwen den Käfig verlassen hatten, nur Romeo nicht, schwang Seeth wieder seine Peitsche und diesmal griff der Löwe ihn an.   Der Dompteur war Romeo einen Schemel an den Kopf und erreichte gerade eine Sekunde vor dem Tier die Türe.  Hinter der Bühne erschoss Zirkusdirektor Schumann  mit einem Revolver das Tier und als Seeth in der Manege dem aufgewühlten Publikum die Vollstreckung meldete, brandete ein rauschender Applaus auf.   Den gewaschenen Löwen-Kadaver konnten die Zirkusbesucher beim Herausgehen dann am Ausgang begutachten.  Der ausgestopfte Romeo wanderte  in Seeths Hamburger Löwenmuseum.

Seeth mit dem 225 Kg schweren Sultan auf der Schulter

Aber Hamburg konnte auch anders, kaum ein Jahr später, gastierte an gleicher Stelle der Zirkus Krembser, der eine Dressur mit zwölf Eisbären präsentierte,  anders aber als Seeths Löwen, nach der „sanften“, Hagenbeckschen Methode dressiert - ohne Schläge, dafür mit Belohnungen. Das kam aber in Frankfurt weniger gut an, man vermisste die „Nerverregung“, die Seeth zu bieten hatte.

Die Zeit um das Jahr 1900 schien überhaupt die Zeit der Superlativen gewesen zu sein, 20 Löwen, 12 Eisbären und im Herbst 1900 kamen gleich 16 Elefanten, die der amerikanische Mega-Zirkus  Barnum & Bailey, zusammen mit 400 Pferden, mit Löwen, Tigern, Kamelen und allerlei anderem Getier vom Festplatz am Ende der Frankenallee über die Alte Oper, Hauptwache und zurück einmal quer durch Frankfurt paradieren ließ.

 

Das man von Hagenbecks Eisbären enttäuscht war, darf aber auch nicht verwundern, von Eisbären war man anderes gewohnt - der Eisbär war der Weiße Hai seiner Zeit.

Im Juni 1891 war zum Beispiel eine heiratslustige Mittvierzigerin, die vom 26 jährigen Bärenwärter Gailing einen Korb bekommen hatte, bei Nacht in den Eisbärenzwinger hinabgeglitten, hatte sich, bis auf ein um die Hüften geschlungenes Taschentuch, entkleidet und vom Bären zerfleischen und bei lebendigem Leibe verspeisen lassen ohne dass das Zoopersonal und die herbeigerufene Polizei das ernsthaft hätten verhindern können, worüber die Frankfurter Zeitungen, ganz entgegen ihrer Gewohnheiten, die Frankfurter detailreich informierten. Dieser Eisbär war der zweite von vielen in Frankfurt, der mehr als zwei Jahre im Zoo überlebt hatte (vielleicht weil 100 kg Lebertran jährlich an ihn verfüttert wurden), deshalb dürfte er auch weiter leben. Gleich am nächsten Tag, nach seinem mitternächtlichen Massaker, standen dutzende von Besuchern um den Eisbärenzwinger, ohne den Bären aber, wie sonst üblich, mit Zuckerstücken zu füttern.

Die nicht ganz artgerechte Ernährung der Tiere könnte auch zu deren kurzen Lebenszeiten beigetragen haben, so war schon am Tag nach der Zooeröffnung der damalige Eisbär von furchbaren Koliken befallen, weil die Besucher des ersten Öffnungstages ihn mit Unmassen von Obst gefüttert hatten. Wer sich über eine Extraportion Obst sicherlich gefreut hätte, das wäre der Schimpanse, der 1871 im Zoo lebte gewesen, der aber wurde vor allem mit weißen Brötchen, Milch, Orangen, Fleischbrühe, gekochtem Sago und Rotwein gefüttert. Als der Schimpanse 1872 unerwartet starb, fand man bei der Autopsie dann auch eine vollkommen zersetzte Leber vor.

 

Mit ihren Elefanten hatten die Frankfurter viel Pech,  1893 war die 45 Jahre alte Elefanten-Dame Betzi gestorben (Betzi war 1874, von einem nächtlichen Fackelzug begleitet, in den neuen Zoo umgezogen, sie kam ausgestopft nach Darmstadt) und im April 1894 misshandelte der Elefant Albert seinen Pfleger, der eine Münze aus dem Gehege holen wollte. Der Tierpfleger wurde entlassen, aber mit Albert wurde es immer schlimmer. 1893 war Albert mit dem Hagenbeck-Zirkus in die Stadt gekommen und der Hamburger Tier-Händler hatte den Elefanten dem Frankfurter Zoo geschenkt. Der Elefant erwies sich aber als „nicht-dressierbar“ und man ließ ihn 1896 vom „erfahrenen Limburger Elefantenjäger“Josef Menges (1850 - 1910) erschießen. Dummerweise hatte Menges das Tier in seinem Stall erlegt, so dass man, um an den Kadaver heranzukommen, einen Teil des Gebäudes abreißen musste. Alberts Skelett kam nach Karlsruhe. Als 1898 dann auch noch die Elefantendame Fanny dem Tode nahe war, wollte man schon alle Elefanten-Hoffnungen fahren lassen, aber glücklicherweise erholte sich Fanny nach einer Cognac-Kur wieder.

der Elefantenjäger Menges brachte aber auch wieder einen neuen Elefanten nach Frankfurt.  Kaum war im Sudan der Mahdi besiegt, ging der Limburger, im Hauptberuf Tierhändler, wieder dorthin  und kehrte im Morgengrauen des 25.Juli 1899 in den Frankfurter Zoo zurück. Mit sich brachte er: ein Elefantenjunges mit riesigen Ohren, eine Giraffe, 36 Strauße, ein dutzend riesige Affen "aus deren Augen eine unbeschreibliche Gier und Bestialität sprach", Löwen, Hyänen, Leoparden und anderes mehr . Der Frankfurter Zoo kaufte Menges die Giraffe, Gerthy,  ab und auch der schwarze somalische Giraffenzucht-Experte in weißem Burnus blieb in Frankfurt. Giraffe waren damals das Zoo-Mode-Tier und so musste man sehr Tief in die Tasche greifen, sicherlich bedauerte man jetzt die letzte von drei Giraffen, die 1878 in den Zoo gekommen waren, gegen den Cognac-trinkenden Elefanten Fanny eingetauscht zu haben. Wäre nicht kurz vor Menges Eintreffen in Frankfurt, der Frankfurter Kolonialpionier und Straußenzucht-Experte, Carl Nolte (1863-1900), mangels lokaler Beschäftigung in die USA ausgewandert, hätte man auch ein paar von den Straußen kaufen können. Auf seine Strauße musste man in Frankfurt allerdings auch aufpassen, Straußenfedern waren richtig Geld wert und es kam auch schon mal vor, dass Leute nachts über den Zaun des Zoos kletterten und Strauße rupften. Menges reiste auch in den folgenden Jahren immer wieder zu Tierjagden in den Sudan und der Frankfurter Zoo wurde zu seiner Tier-Umschlag-Zentrale.

 

Der Frankfurter Zoo wuchs und wuchs, man unterhielt sogar einige Fremdenlegionäre, die in Nordafrika Schlangen und anderes Getier exklusiv für Frankfurt fingen und es war schon geplant, den Zoo an den Stadtrand zu verlegen und zu vergrößern, da kam der 1.Weltkrieg und aus der Verlegung wurde nichts. An neue Tiere zu kommen, wurde jetzt fast unmöglich, selbst ein Schlangenstorch, der am Tag der Mobilmachung aus Paraguay in Bremerhaven eingetroffen war, brauchte Wochen, bis er endlich in Frankfurt ankam. Dafür kamen die deutschen Soldaten jetzt in der Welt herum und der Frankfurter Tierbildhauer Karl Wagner (1886 - 1966) zum Beispiel, brachte 1917 einen, von ihm aufgezogenen, seltenen schwarzen Storch von der Ostfront im Handgepäck mit in den Frankfurter Zoo.  (Karl Wagner hatte sein Atelier lange im Gesellschaftshaus des Zoos.  Ab 1945 gab er hier seine "Bausteine für den Wiederaufbau des Zoos" heraus, hier die Bausteine 23 ,1 und 4.)

  

 

Der Krieg brachte eine schwere Hungersnot über Frankfurt, die auch die Zootiere zu spüren bekamen.. Wie  bei den Menschen stieg auch die Sterblichkeit unter den Frankfurter Affen, fast alle starben an einer Lungenseuche. Auch der Stolz des Zoos, der Menschenaffe „Basso“, für den extra ein gläserner Käfig gebaut worden war, war „in den Affenhimmel abgewandert“, wie 1919 in der Zeitung zu lesen stand. Während des Krieges wurde der Zoo mehr und mehr von der Tierschau auf die Tierproduktion umgestellt. Nach dem katastrophalen Steckrüben-Winter 1916/17 gab es im Frankfurter Zoo eine Ziegen-, eine Kaninchen- und eine Hühner-Zuchtstation, auch das gesamte leerstehende Straußengehege war mit Hühnern belegt worden. Aber die Zeiten wurden auch wieder besser und in den Goldenen Zwanziger Jahren war besonders die tropische Sumpflandschaft des Aquariums eine der Hauptattraktionen des Frankfurter Zoos.

 Ganz besonders stolz war man auf seine zahmen Reptilien. Der Bindenwaran "Bubchen" , eine in freier Wildbahn extrem bissige Art, ließ sich von seinem Pfleger sogar auf der Schulter herumtragen und der brüllende Alligator "Jonathan" war so zahm, dass er von Filmteams oft zu Aufnahmen herangezogen wurde.

In Frankfurt waren die Wilden Tiere derart zahm geworden, dass sich jetzt auch Frankfurts Honoratioren an sie heran wagten. Im Januar 1927, Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung der Frankfurter Altstadtfreunde im gerade in der Stadt gastierenden Zirkus Sarrasani übernahmen einige der Herren sogar Dompteur-Rollen, der Journalist Max Fleischer (Mittagsblatt der Frankfurter Zeitung) führte ein Nilpferd vor, der Messedirektor Satter indische Elefanten. Gar so zahm waren diese Tiere aber nicht, den bei einer Vorstellung ein paar Tage darauf, verbiss sich das Nilpferd in einen der Elefanten. 

1933 konnte der Zoo sein 75 jähriges Jubiläum feiern. 

Dann kam der 2. Weltkrieg und nach dessen Ende lag der Zoo in Ruinen. Nach den Bombenangriffen im März 1944, liefen wilde Tiere, selbst Löwen, frei durch die Stadt und wurden erschossen. In  den Nachkriegs-Ruinen des Zoos lebten gerade noch 20 große Tiere, ein Nilpferd, ein Schimpanse, sechs Geier, zwei Kamele, zwei Paviane, zwei Wisente, zwei Lamas, ein Zebu und einige Ponies und Ziegen.  Die allermeisten kleineren Tiere, die von den Bomben verschont geblieben waren, wurden nach Kriegsende nachts gestohlen und geschlachtet. Der neue Zoodirektor, Bernhard Grzimek, unternahm jetzt einiges, um den Zoo wieder auf die Beine zu bringen, er fuhr durch ganz Deutschland, um wieder Tiere zu bekommen, so holte er zum Beispiel drei Elefanten aus Passau. Mit Elefanten, Kamelen und Panthern machte er Spaziergänge durch Frankfurts Ruinenlandschaft, um deren Bewohner wieder in den Zoo zu locken und eigenmächtig sperrte er die Fasanenstraße ab, um die Ruinengrundstücke links und rechts davon in seinen Zoo zu integrieren. Durch ihn, seine Filme und Fernsehsendung wurden er, der Frankfurter Zoo und auch einige von Frankfurts wilden Tieren weltberühmt.

Kamel vor der Hauptwache

Ob der Herr in bayerischer Tracht auch im Zoo gezeigt wurde ist nicht überliefert.

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