Alexander Ruhe: 1582 - Den Teufel in Frankfurt gefangen und auch wieder verloren. August 2020

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

Im Jahre 1581 waren Frankfurt und sein Umland wieder einmal arg von Räubern heimgesucht worden. Diesmal aber nicht von irgendwem, Nein! der Fürst der Räuber selbst, Hans Schmalfart, von seinen Spießgesellen achtungsvoll "der Teufel" genannt, hatte die Gegend in Schrecken versetzt.

Als der Winter 1581/82 sich aber als sehr grimmig erwies, zog er sich mit einem guten Dutzend seiner Männer in die Scheunen des Rebstock-Hofes zurück, um den ärgsten Frost dort im Warmen zu überdauern.

Im Januar hatte es aber begonnen zu tauen und bald schon setzte die Nidda ein weites Umland unter Wasser. Auch die Wassergräben, die den Rebstock-Hof umgaben als auch der Ungeheuer See, der Lange See und der Entenpfuhl (alles heute nicht mehr existente Gewässer) schwollen an und versperrten den Räubern des Teufels eventuelle Fluchtwege.

Die Teufels-Bande musste sich nun ein anderes Versteck such und, begleitet von zwei seiner Kumpane, machte sich der Teufel auf die Suche. Auf dem Weg nach Nied, begegnete man am Griesheimer Wäldchen einer Frau, die die Drei auch promt überfielen und beraubten. Im Glauben, die Frau sei aus Nied gekommen, zogen es die Räuber nun vor, nicht sofort nach Nied zu gehen, sondern man ging erstmal in Griesheim einen trinken. Dummerweise aber, war das Opfer der Räuber keine Niederin sondern war aus Griesheim gekommen, wohin zurückgekehrt, sie auch umgehend die Griesheimer Obrigkeit informierte. Begleitet von Griesheimer Bauern stürmte nun der dortige Schultheiss die Wirtschaft. Zwei der Räuber konnte man überwältigen, aber der Teufel entkam.

Verfolgt von wütenden Griesheimern eilte der Teufel zurück zum Rebstock-Hof. Er verirrte sich aber zwischen den neuaufgetanen Wasserläufen und die Griesheimer kamen immer näher. Der Räuber schaffte es noch bis ans Tor des Rebstock-Hofes aber hier bekamen ihm seine Verfolger und im Triumph wurde er nach Bergen gebracht und eingesperrt.

Was es den Räubern in unserer Gegend leicht gemacht hatte, das war die Vielstaaterei. Frankfurt war eine freie Stadt, Griesheim, Nied, Bockenheim und Bergen gehörten aber zu Hanau und auf das - außerhalb der Frankfurter Landwehr gelegene - Rebstock-Gebiet, erhoben beide Anspruch. Diese Vielstaaterei verhinderte nun auch die Aburteilung des gefürchteten Räubers. Denn das Hanauer Untertanen auf Frankfurter Gebiet eine Verhaftung vornahmen, das ging nicht!

Da der Teufel auf Frankfurter Territorium verhaftet worden war, wollte Frankfurt ihn nun auch bestrafen. Das sahen die Hanauer aber anders und der Teufel verblieb weiter ohne Prozess im Bergener Gefängnis. Das war unerhört und Frankfurt zog mit diesem Fall vor das Reichskammergericht in Speyer, hier sollte der Kaiser über die Besitzrechte am Teufel entscheiden. Im Speyer zogen sich die Verhandlungen aber hin und diese "Galgenfrist" nutzte der Teufel, um aus dem Gefängnis auszubrechen. Niemand hatte den Teufel bestrafen dürfen.

 

1684 kamen Griesheim und Nied durch Tausch von Hanau an das Kurfürstentum Mainz und das erbte den Rebstock-Konflikt dann gleich mit.

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