Alexander Ruhe:
1940-42 - Hans und Heini schreiben nach Hause. Soldatenbriefe aus dem Krieg nach
Frankfurt.
Oktober 2026
Angeregt durch meine Zeitungsarchäologie, in der ich schon mehrfach
Brieffolgen veröffentlichte, hat sich einer meiner Leser an mich gewandt und mir
einen Packen von mehr als 20 Briefen zugeschickt, die Hans und Heini Kaiser aus
dem 2.Weltkrieg an die Eltern nach Hause schickten. Dieser Leser hatte die
Briefe vor etwa 25-30 Jahren auf dem Frankfurter Flohmarkt gekauft, sicherlich
waren die letzten Verwandten der Beiden, vielleicht eine Schwester, gestorben
und der Hausstand beim Entrümpler gelandet. Angerührt von den Briefen, hatte er
mehrfach versucht noch Verwandte ausfindig zu machen und denen die Briefe zu
übergeben, aber da hatte sich niemand interessiert gezeigt, weshalb ich die
beiden auch hier mit Vor- und Nachnamen benennen kann.
Die beiden Söhne der
Kaisers hatten ihre Briefe in die Josef-Haydnstraße im Westend geschickt, für mich besonders
interessant, denn dieser Straße hatte ich vor einiger Zeit schon einmal
nachrecherchiert. Anfang der 1870er Jahre als "Westliche Ring-Straße" ins Leben
getreten, war sie, für ihre Bewohner vollkommen überraschend, im Herbst 1878 in
"Mendelssohnstraße" umbenannt worden, um dann, wieder überraschend, von den
Nazis im Juli 1938 in "Josef-Haydn-Straße"
umbenannt zu werden um nach 1945 wieder zur
Mendelssohnstraße zu werden, aber das haben die Brüder nicht mehr erlebt.

Das Elternhaus ist dann im Bombenkrieg untergegangen und 1955 durch einen Neubau
ersetzt worden, der dort auch heute noch steht - eingerahmt von alten Häusern,
die den Krieg überstanden haben.
Heinrich, genannt "Heini" wurde im Hungerwinter
1918 in Hettersroth am Vogelsberg geboren, fing 1934 in Frankfurt eine
Bankausbildung an, die er 1936 abschloss um dann bei der selben
Bank weiter als Angestellter zu arbeiten. 1939 wurde er dann in den
Reichsarbeitsdienst eingezogen. Dort hat er - wahrscheinlich - mit einer
Schaufel am Westwall oder beim Autobahnbau, Löcher ausgehoben, um dann 1940 zur
Wehrmacht eingezogen zu werden.
Über den jüngeren Bruder Hans weiß ich weniger. Er wurde ein halbes Jahr später
als Heini ebenfalls zum Arbeitsdienst einberufen um im Herbst 1940
ebenfalls zur Armee zu kommen und ganz offensichtlich wurden auch nicht alle
Briefe überliefert.
Und hier beginnen die Briefe:

Im Felde, den 13.Juni 1940
Meine Lieben!
Wie geht es Euch zu Hause? Ich nehme an, dass Ihr meine Post bis jetzt stehts
erhalten habt. Von Euch habe ich schon 20 Tage keine Post mehr bekommen. Heute
habe ich von Hans eine Karte erhalten. Mir geht es noch gut.
Viele Grüße Heini
Im Felde, den 13.Juni 1940
Lieber Hans,
gestern habe ich Deine Karte erhalten. Mir geht es noch sehr gut. Wie ich sehe,
ist auch in Frankfurt mit Fliegern allerhand los. Das nimmt wohl bald ein Ende.
Viele Grüße,
Heini
Heini war Soldat im Flak (Flugabwehrkanonen) Regiment 231. Dieses hatte
zuvor in Belgien gekämpft, war beim Übergang über die Somme beteiligt und stand
am 13.Juni 1940 kurz vor Paris. Am Tag darauf ist die Wehrmacht in die Stadt
einmarschiert. Ein erster Luftangriff, bei dem es auch Tote gab, fand am 04.Juni
1940 im Gallus statt. Der Frankfurter Luftkriegshistoriker Karl Lerch drehte in
den 1980ern sogar einen Film über diesen speziellen Angriff.

Da die vielen Fotos, die Heini gemacht hat, leider nicht überliefert sind,
hier ein kleines Tablett, das mein Großvater als Soldat ebenfalls 1940 in Paris
für seine Verlobte, meine Großmutter gekauft hat.
Im Felde, den 21. Juni.1940
Meine Lieben!
Meine letzte Karte hat euch
aus der Nähe von Paris erreicht. Da die Sache mit Frankreich so schnell zu Ende
ging kamen wir von dort weg und befinden uns zur Zeit an der Kanalküste und
können bei gutem Wetter nach England hinübersehen. Ich nehme an, dass in den
nächsten Tagen der Großangriff gegen England beginnt, dann werden wir hier
bestimmt sehr viel zu tun bekommen. Wir haben zur Zeit am Tage 2 Reichsmark
Löhnung und können fast nichts davon ausgeben. Ich kann hier leider keine Filme
für meinen Foto bekommen. Da Ihr ja zur Zeit sicher wieder kleine Päckchen
schicken dürft, könntet Ihr mir einen großen Gefallen tun, wenn Ihr
mir einige Filme in Größe 6x9 Agfa mit
Holzspule schicken würdet. Hier sind die Sachen sehr billig.
Pfund
Butter kostet z.B. 70 Pfennige eine gute Flasche Sekt 2,25 RM, 1 Pfund Erdbeeren
nur 20 Pf. usw. Ihr könnt Euch denken, dass wir nicht schlecht leben. Wir
bleiben sicher sehr lange Zeit hier und ich hoffe, dass unter diesen Umständen
endlich Euere Post bei mir ankommt.
In der Hoffnung, dass es Euch
Allen noch recht gut geht, grüßt Euch vielmals
Euer Heini

Fotografieren war damals ein recht teures Hobby. Für seine 2 Mark Sold
täglich, hätte sich Heini einen Film zu 8 Bildern und deren Entwicklung leisten
können. Seine Kriegsfotos sind leider nicht überliefert worden.
An der See, 29.Juni 1940
Meine Lieben!
Gestern erhielt ich Euere beiden Briefe vom 09. und 13.06.. Vielen Dank dafür.
Wie ich sehe, ist auch in Frankfurt allerhand losgewesen mit englischen
Fliegern, aber das hat auch recht bald ein Ende. Das kann ich mir denken, dass
Ihr erstaunt wart, als die schwere Flak geschossen hat. Ich bin das schon
gewöhnt, denn wir schiessen ja jeden Tag mit diesen Geschützen.
Es freut mich, dass Ihr meine Päckchen bekommen habt. Heute schicke ich wieder
Bilder mit, tauscht sie bitte wieder mit Kelly aus. wie Du siehst, sind wir mit
den Franzosen recht schnell fertig geworden, Du brauchst Dich also wirklich
nicht unnötig aufzuregen. Ich bin inzwischen auch schon sehr braun geworden.
Gefangene habe ich schon in langen Zügen zu zehntausenden gesehen, Franzosen,
Marokkaner, Engländer, Inder und Neger usw. so etwas muss man gesehen haben. Ein
wüstes und buntes Bild.
Ich hatte an Papas Geburtstag gedacht, hatte aber gedacht er hätte erst am
11.07., statt am 11.06.. Ich gratuliere also noch nachträglich und wünsche ihm
alles Gute. Das Ketty bei Euch geschlafen hat, hat sie mir bereits geschrieben.
Ich kann mir denken, dass sich Hans darauf freut auch wegzukommen. Für den
Arbeitsdienst ist das auch eine ganz schöne Sache, denn die kommen ja nicht an
die Front.
Viele Grüße, sendet Euch
Heini
Schickt mir bitte Filme Größe 6x9
Im Felde, den 03. Juli 1940
Meine Lieben,
Gestern habe ich zwei Briefe vom 30.05., 04.06. und eine Karte vom 22.06. von
Euch bekommen. So nach und nach kommt doch noch die ganze rückständige Post an
mich.
Mir geht es immer noch ganz gut. Von Euch hoffe ich dasselbe. Hans hat also
grosses Glück, dass er noch in Frankfurt bleiben kann, von Ihm und von Otto habe
ich auch Post bekommen.
Inzwischen haben wir Calais verlassen und sind über Dünkirchen, Ostende und Gent
nach Belgien zurückgekommen. Gestern war ich für einige Stunden in Gent. Es ist
eine sehr schöne Stadt und ich habe wieder einige Einkäufe erledigt. Filme,
Fruchtdosen etwas Unterwäsche usw.Wie Ihr seht lege ich mein Geld vernünftig an.
Mein Koffer ist inzwischen in die Binsen gegangen und ich habe mir einen neuen
zugelegt. Ich habe gestern für diese Einkäufe insgesammt RM 15,- verbraucht. Wir
können das ja ruhig machen, denn wir bekommen jeden Tag RM 2,- Löhnung also im
Monat RM 60,-.
Ich bin gespannt, wann der große Schlag gegen England erfolgt. Ich nehme an,
dass der Tommy in 8 Wochen spätestens erledigt ist. Auf Urlaub werde ich wohl
erst kommen können, wenn der Krieg zu Ende ist.
Bis dahin grüßt Euch alle ,
Euer Heini
Filme braucht Ihr keine mehr zu schicken, denn hier in Belgien gibt es genug.
Nachtrag:
Soeben habe ich auch noch Eueren Brief vom 23.06. bekommen. Hans kommt also doch
weg, das ist ja nicht so schlimm, denn wo der Reichsarbeitsdienst eingesetzt
ist, wird ja nicht mehr geschossen. Ich muss doch einmal an die F.H.B. [Frankfurter
Hypothekenbank, dort hatte Heini gearbeitet] schreiben um zu erfahren, ob
das mit den 4 Mann stimmt.
Richte bitte an alle Bekannte recht viele Grüße aus.
Viele Grüße,
Heini
Nach der Kapitulation im Juni hatte Deutschland Frankreich und Belgien
gezwungen deutsches Besatzungsgeld anzunehmen und gleichzeitig den Wechselkurs
zwischen Franc und Mark zugunsten der Mark verschoben, so dass viele deutsche
Soldaten sich nun Luxusgüter wie Seide, Kaffee und Schokolade, die es in
Deutschland schon lange nicht mehr gab, leisten und nach Hause schicken konnten.
In Felde, den 05.Juli 1940
Meine Lieben,
Gestern habe ich wieder zwei Briefe und eine Karte von Euch bekommen. Jetzt
kommt
also die ganze Post bei. Wie ich sehe hast Du meine Muttertagskarte bekommen.
Soviel Erdbeeren, wie dieses Jahr habe ich noch nie gegessen, denn das Pfund
kostet nur 15-20 Pfg. Ihr habt jetzt scheinbar alle Päckchen bekommen. An Oma
hatte ich kein Päckchen geschickt, denn man bekommt jetzt K. [Kaffee?] nur noch
gegen Marken. Von Langen habe ich ebenfalls Post bekommen. Mir geht es noch
immer recht gut.
Viele Grüße,
Heini
Im Felde, den 13.Juli 1940
Meine Lieben!
Heute habe ich Euren Brief vom 26. und das Päckchen mit den Filmen vom 29.06.
bekommen. Besten Dank dafür. Heute habe ich wieder ein Päckchen an Euch
abgeschickt mit einem Paar Strümpfen für Dich. Ich denke, Du kannst sie
gebrauchen. Den Film, den ich beigelegt habe, lasst bitte entwickeln und
behaltet die Bilder zu Hause, denn ich kann sie zur Zeit nicht machten lassen.
Wir können z.Zt. im Monat 6 Päckchen verschicken. An Euch sind bereits drei
unterwegs. an Anna und Oma habe ich auch etwas Kaffee geschickt, also darf ich
in diesem Monat leider nur noch einPäckchen verschicken.
Von mir müsstet Ihr inzwischen viel Post bekommen haben, denn ich habe immer
laufend geschrieben.
In der Annahme, dass es Euch noch recht gut geht, grüßt Euch recht herzlich
Heini
Wetzlar, 06.Oktober 1940
In Eile
Liebe Eltern,
Mir
geht es noch gut, Was ich auch von euch hoffe. Heute sind wir eingekleidet
worden. Haben einen schönen Tag gehabt. Meine Uniform paßt gut. Die anderen sind
nicht zu so berühmt. Morgen geht der Dienst los. Heute sind wir wieder
umgezogen.
Wir sind 6 Mann auf einer Stube und haben uns gut
eingerichtet. Schickt mir bitte folgende Sachen:
Trainingshose, Kleiderbürste, Ein Stück festen
Koppellack .
Einige Kameraden vom Reichsarbeitsdienst sind auch in
der Abteilung, aber nicht einer in meiner Kompanie.
viele
Grüße,
Hans
Wetzlar, 08.Okt. 1940
Liebe Eltern,
Ich will Euch heute wieder einmal einige Zeilen schreiben. Mir geht es noch gut,
was ich auch von Euch hoffe. Der Dienst war bis jetzt nicht so schlimm. Aber das
Schlimmste wird wohl noch kommen. Aber das soll mich nicht erschütttern.
Auf unserer Stube ist es ganz gemütlich. Radio ist auch vorhanden, nur haben wir
sehr wenig Zeit, um zu hören.
Heute wurden wir schon vereidigt. Vielleicht geht auch die Ausbildung schneller.
Der Koffer mit den Zivilklamotten geht heute Abend von hier weg.
Für heute will ich schließen,
Viele Grüße,
Hans
17.November 1940
Meine Lieben,
Gestern morgen bin ich in unserer Stellung gelandet. Wie Ihr seht, hat es recht
lange gedauert. Ich habe in Lille 6 Stunden gesessen und in Ath 4 Stunden und
bin dadurch einen Tag später gekommen, was aber garnichts ausgemacht hat. Ich
war allerdings ganz kaputt. Stellt Euch vor, ich kam dort an und musste sofort
weiterreisen zu einem Lehrgang. Ich bin also die ganze Zeit nicht zum Schlafen
gekommen. Als ich zum Lehrgang kam, war ich auch ganz fertig.
Bis zum 15.Dezember schreibt mir bitte an meine neue Adresse
#L. 34777 L-G-P.Q. Brüssel (B)
Ab 16.Dezember schreibt mir wieder unter meiner alten Feldpostnummer.
Die Geldbörse habe ich schon gekauft (RM 7,-) und Konserven (Fleich RM 2,60/Kg)
Ich schicke es in den nächsten Tagen ab. Das Geld habe ich auch getauscht. Hat
bei Euch der Sturm auch so gehaust?
Viele Grüße sendet Euch,
Euer Heini in Eile
In der Nacht vom 13. auf den 14.November 1940 tobte ein Orkan über Brüssel
in einer Stärke, die bis heute nicht wieder erreicht worden ist.
Frankreich, den 08.März 1941
Meine Lieben!
Heute habe ich Euere 4 Briefe vom 23. und 26.02., 03. und 04.03. bekommen. Die
beiden Päckchen habe ich ebenfalls bekommen. Besten Dank dafür. RM 2,- und RM
5,- habe ich auch erhalten so wie die Briefmarken. Sobald ich die RM 40,-
bekomme, werde ich versuchen, die gewünschten Schuhe zu bekommen. Die gewünschte
Wolle habe ich bis jetzt noch nicht finden können. Weshalb kannst Du Dir Hans
nicht als Ausbilder vorstellen, ist doch alles halb so wild.
Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass Ihr schon umsonst gewartet habt. Aber in
20 Tagen ist es wirklich soweit.
Auf welche Konfirmation soll ich denn fahren? Am Montag hatte ich geschrieben,
ich würde entlassen. Leider ging das nicht, denn ich bekam noch ein Furunkel ins
Gesicht, wenn dieser ganzausgeheilt ist, dann werde ich entlassen. Das wird in
der nächsten
Woche ganz bestimmt der Fall sein.
Es grüßt Euch recht Herzlich
Euer Heini
Schreibt weiter über L20301
Frankreich, den 12.März 1941
Meine Lieben!
Gestern bin ich wieder gut bei meiner Batterie angekommen. [anscheinend
aus Brüssel] Mir geht es wieder ganz gut.
Die RM 40,- habe ich schon bekommen und habe dafür Kognak gekauft. Schuhe kann
ich leider beim besten Willen nicht bekommen.
Ich will sehen, dass ich dafür andere Sachen bekomme. Es kann sein , dass ich
schon am 16.März bei Euch bin. Bestimmt kann ich es aber nicht versprechen,
spätestens komme ich aber am 28.03.
Bis dahin grüßt Euch vielmals
Euer Heini
29.März 1941
Viele Grüße,
Heini
Dabei lag noch ein Gepäckschein, von Dünkirchen nach Frankfurt den der OBf
Kaiser (Oberfähnrich) aufgegeben hatte und den er anscheinend nach seinem
Heimaturlaub wieder nach Frankfurt schickte. Könnte aber auch durchaus
seine Fahrkarte sein. Dann wäre er am 17.März gefahren (oder in Waggon Nummer 17
?).

Danach hören wir nichts
mehr von Heini, bis mit Datum vom 14.Juli 1941 die Schreibstube seines
Regimentes nach Frankfurt schreibt, der Gefreite (also wohl doch kein Fähnrich)
Kaiser sei den Heldentod gefallen, mit Skizze seines Grabortes.
Drei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Sowjetunion war
Heini auf halben Wege zwischen Minsk und Smolensk, wo die Wehrmacht jeweils
große Kesselschlachten geschlagen hat, gefallen und Nahe dem Dörfchen
Aleksandrija in Weißrussland fand er sein Grab. Laut dem Volksbund deutscher
Kriegsgräber, die für Heini immer noch diesen Grabort auflisten, ist er noch
nicht auf
einen Soldatenfriedhof überführt worden. Aleksandrija war damals bestimmt ein
verschlafenes Nest (das trotzdem auf der deutschen Kriegskarte unten seinen
Platz gefunden hat), heute ist es eine Art Wallfahrtsort. Aleksandrija ist der
Geburtsort des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko und einmal im Jahr findet
dort ein von Zehntausenden besuchtes Musikfestival zu seinen Ehren statt.
Heinrich wurde 23 Jahre alt.

Russland, 26.September 1941
Meine lieben Eltern,
mir geht es noch gut, was ich auch von Euch noch hoffe.
Ich habe Euer Päckchen vom 06.09. mit Zigaretten erhalten. Besten Dank dafür.
Viel Neues weiß ich nicht zu berichten, denn wir sind noch im alten Quatier, wo
es uns sehr gut gefällt. Heute Abend hat es wieder Bratkartoffeln gegeben, wir
sind nun 6 Mann, da lässt es sich prima machen. Heute Nachmittag haben wir haben
wir an einem Ofen, den wir uns selbst zusammenbauen wollen, gearbeitet. Morgen
wird er fertig.
Wir brauchen ihn unbedingt, denn sonst kann man es nachts im Funkwagen vor Kälte
nicht aushalten.
Für heute sende ich herzliche Grüsse,
Euer Hans
Russland, 08.Okt.1941
Meine lieben Eltern!
Ich habe einen Brief vom 20.09. erhalten. Sowie zwei Päckchen vom 10.09. und eins
vom 16.09.. Ich danke Euch herzlich dafür.
Es geht mir noch gut. Hoffe es auch von Euch.Da habt Ihr die zwei Päckchen vom
01.09. schon erhalten. Da werden die anderen 4 auch bald eintreffen. Von Robert
habe ich auch einen Brief erhalten, von Kaisers in Hettersroth ein Päckchen. Da
sind gleich vier auf einmal angekommen. vor allem danke ich Dir. liebe Mutter,
dass Du meine Bitte Dir zu Herzen genommen hast und sie erfüllen willst. Mir ist
soviel leichter uns Herz.
Heute war es schon ziemlich kalt und es hat sogar feste geschneit aber nur
einige Stunden.. Am Sonntag hatten wir uns in einem Lazarett warm geduscht. Das
ist bei dem kalten Wetter sehr angenehm [ich übertrage diese Zeilen gerade
am 10.Oktober, 85 Jahre nachdem Hans sie schrieb, und draußen haben wir 20°
C und 15°C in Charkow sagt die Wetterapp, der Winter 1941/42 war einer der härtesten des 20.Jahrhunderts]
Für heute will ich schließen,
Herzliche Grüße,
Euer Hans
Das Pfeifchen ist noch nicht angekommen.
Das Nachrichtenregiment 596, in dem Hans diente, stand am 08.Oktober im
Donez-Becken, in der Ukraine, wo auch heute wieder gekämpft wird.

Nach dieser Schlagzeile in einer Frankfurter Zeitung, dachten Hans' Eltern
sicherlich, ihr Sohn käme bald nach Hause, als sie seinen Brief lasen.
Russland, 27.Oktober 1941
Meine lieben Eltern!
Mir geht es noch gut, was ich auch von Euch noch hoffe.
Gestern Vormittag sind wir nun glücklich an unserem Bestimmungsort angelangt.
Wir mussten aber unterwegs nochmals übernachten.
solche Straßen könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen, wie sie hier sind. Schlamm,
nichts als ein Schlamm.
und in der "Stadt", in der wir jetzt liegen, sieht es vielleicht aus. sämtliche
Straßen voll Schlamm. Bei uns sagt man, es ist ein Kafft.
Der Fahrer des Wagens und ich schlafen im Funkwagen, da wir hier am Sender
Dienst haben und die Anderen liegen in einem anderen Raum. Das ist immer
gemütlich bei unserem Ofen. Zur Kurweil haben wir wenigstens noch Radio, zu
lesen haben wir nichts, da keine Post ankommt. Ich habe seit 8 Wochen keine
erhalten. Ihr werdet auch jetzt länger auf Post von mir warten müssen.
Bei den Wegeverhältnissen ist das kein Wunder. Diesen Brief und den vom 25.10.
gebe ich bei einer anderen Einheit auf, da unsere Konpanie nicht hier ist.
Für heute will ich schließen und sende
herzliche Grüße,
Euer Hans
08.Januar 1942
(in einer anderen Schrift) angekommen am 28.Februar 1942
Liebe Mutti,
Zudeinem Geburtstage sende ich Dir die besten Grüße und Glückwünsche.
Hans
Morgen werde ich wieder aus den Revier entlassen.
Russland, 13.Januar 1942
Meine lieben Eltern,
Ich hoffe, dass es Euch noch gut geht, was ich auch von mir noch berichten kann.
Wir haben uns jetzt unser Haus sehr gemütlich eingerrichtet. Seit gestern mache
ich nun wieder Dienst.
Jetzt haben wir auch elektrisches Licht. Das Wetter ist auch noch gut.
Sonst nichts Neues.
Viele Grüße Euer
Hans
Russland, 02.Mai 1942
Meine lieben Eltern,
Ich hoffe, dass es Euch noch gut geht, was ich auch von mir noch berichten kann.
Vielen Dank für Euren Brief vom 18.04., den ich heute erhalten habe. Ich habe
heute ein Päckchen abgeschickt, es ist etwas für Papa.
Ebenfalls hatte ich je ein Päckchen für Euch an 10.+12.04. abgeschickt. Ihr
könnt es gut gebrauchen. Ich glaube, dass es bei Euch jetzt sehr knapp ist. Bei
uns ist es noch in Ordnung. Wir haben heute eine Flasche Wodka gegen 12 Eier+
Milch eingetauscht. Jeder hat zwei Eier bekommen. Auch haben wir wieder einen
sehr guten Pudding gekocht für morgen zum Mittagessen, mit 3 Litern Milch + 4
Päckchen Puddingpulver. Von Hettersroth habe ich auch ein Päckchen erhalten.
Morgen geben wir unsere Wintersachen wieder ab. Es ist jetzt endgültig vorbei
mit der Kälte.
Für heute will ich schließen und sende Euch viele herzliche Grüße,
Euer Hans
Anfang Mai 1942 lag die 17.Armee, zu der Hans uns seine Kompanie gehörten
südich von Charkow, in der Ukraine
Russland, 08.Mai 1942
Meine lieben Eltern!
Vielen Dank für Euren lieben Brief + 5 Päckchen vom 24.04., wofür ich herzlich
danke. Es freut mich, dass es Euch noch gut geht, was auch bei mir noch der Fall
ist. Wir haben jetzt sehr schönes Wetter. Die Bilder [ hier folgt ein schwer
lesbares Wort, könnte aber "aus Hamburg" heißen]
hat
unser Chef gemacht. Da habe ich mir die Besten rausgesucht. Die eine Aufnahme
zeigt unseren Funkwagen von innen, ich sitze gerade am Empfänger. Anders gingen
sie nicht zu machen.
Bei dem schönen Wetter werdet Ihr sicher im Garten sein. Auch wir sitzen, wenn
dienstfrei ist, vor dem Haus in der Sonne.
Hoffentlich habt Ihr gut geerntet. Wenn es geht, schickt bitte für den Sommer
einige Brausepulver. Ein oder zwei Filme könnt Ihr auch schicken. 6x9 mit
Metallspule.
Für heute will ich schließen und sende Euch viele herzliche Grüße,
Euer Hans
Das sind die letzten Zeilen von Hans, die noch überliefert sind. Wenige
Tage, nachdem er diese geschrieben hatte, brach iim Frontabschnitt um Charkow
eine überraschende sowjetische Offensive los, die ab dem 17.Mai von einem
deutschen Gegenschlag durch die 17.Armee, zu der aus Hans gehörte, gefolgt wurde.
Wahrscheinlich ist Hans bei diesen Kämpfen gefallen. Ein Grab ist allerdings
beim Volksbund der deutschen Kriegsgräber nicht vermerkt. Aber viele Kriegstote
werden bis heute noch erst bei Bauarbeiten aufgefunden. Vielleicht ist Hans auch
in Kriegsgefangenschaft geraten, jedenfalls hat er keine Briefe mehr nach Hause
geschrieben.
Weitere Brieffolgen habe ich veröffentlicht zu
1946 - Liebesbriefe vom Sperrmüll und
1870- Kriegsbriefe aus Frankreich
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