Alexander Ruhe: 1916 - das Fahrradfahrverbot während des ersten Weltkrieges. März 2025

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

Der Erste Weltkrieg war für Frankfurt eine Zeit des Hungers und der Einschränkungen. So gut wie nichts mehr wurde aus dem Ausland nach Deutschland geliefert und selbst die deutschen Länder blockierten den freien Handel untereinander, alles was noch da war, sollte im eigenen Ländchen verzehrt werden - der Föderalismus in Deutschland ist halt keine ganz neue Erfindung. In einer Stadt wie Frankfurt, die damals ringsherum von innerdeutschem "Ausland" umgeben war, musste man sich besonders einschränken.

Als der Krieg sich immer mehr in die Länge zog, mussten die Deutschen immer mehr abgeben, kupferne Töpfe und Pfannen, Kaffeekannen aus Nickel, überzählige Wollpullover, Benzin, Pferde und Autos und vieles mehr und das keineswegs freiwillig, es gab da auch massenhafte Denunziationen der Nachbarn und Hausdurchsuchungen.

Im Juli 1916 waren dann auch Fahrradreifen und Fahrradschläuche aus Gummi an der Reihe, die wurden als Rohstoffe für die Bereifung der Lastwagen an der Front gebraucht und mussten auch abgegeben werden. Der innerstädtische Verkehr wurde damit immer komplizierter den Autos oder Pferdedroschken gab es so gut wie keine mehr in Frankfurt, Straßenbahnen fuhren auch seltener und weniger als vor dem Kriege und selbst Ledersohlen für die Schuhe von Zivilisten waren nicht mehr zu haben, so dass gegen Ende des Krieges viele Frankfurter in Holzschuhen oder Barfuß durch die Stadt liefen - es musste also Ersatz für die fehlenden Fahrradreifen her und man wurde kreativ. Unten habe ich ein paar Anzeigen aus Frankfurter Zeitungen eingestellt, es gab Reifen aus Holz, aus Seilen, aus Spiralfedern und vieles mehr. Das einzige was mir so halbwegs vernünftig erscheint, eine Variante die man auch heute wieder kaufen kann und die während des 2.Weltkrieges auch für Militärräder genutzt wurde,  sind die Spiral- Stahlfeder-Kombinationen von LOC, die kosteten aber soviel wie ein preisgünstiges neues Fahrrad - etwa soviel wie den Wochenlohn eines gut verdienenden Arbeiters, so dass diese Anzeigen auch bald wieder aus den Zeitungen verschwanden und bis zum Ende des Krieges wartete man entweder auf die überfüllte Straßenbahn oder ging zu Fuß.

 

 

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