Alexander Ruhe: 1817- das Perpetuum Mobile in Frankfurt entlarvt. Juni 2013

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

 

Zur Messe wurde einem in Frankfurt traditionell einiges geboten, aber zur Herbstmesse 1817 kam dann das ganz Besondere, das Perpetuum Mobile.

1815 vom schweizer Uhrmacher Robert David Geiser erfunden, hatte 1816 die Genfer Gesellschaft für den Fortschritt der Künste die dauerhaft laufende Pendeluhr begutachtet und für echt befunden und jetzt kam sie auch nach Frankfurt. Das Perpetuum Mobile war allerdings keine Messebelustigung für jedermann, wollte man sie in der Töngesgasse neben dem Maulbeerhof (der Station der lokalen Postkutschen) sehen, musste man einen Gulden Eintrittsgeld zahlen, zu Standespersonen hohen Standes wurde die Uhr aber auch getragen.

Am 08.Oktober wurde die Uhr dann zur eben erst gegründeten Frankfurter Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen Künste getragen, wo deren Mitglieder und auch deren Vorsitzender, Professor Poppe sie genau begutachteten und begeistert waren: das Perpetuum Mobile war geschaffen ! Diese Nachricht ging nun von Frankfurt aus um die Welt, die Uhr lief tatsächlich ganz von alleine.

Ein mit 39 Zylindern beschwertes Rad drehte sich und drehte sich und dreht sich, bis ... bis der Uhrmacher Geiser in Frankfurt an einer Krankheit starb, jetzt blieb die Uhr plötzlich stehen und man wunderte sich.

Wieder kam die Uhr zu Poppe und wurde untersucht. Als er sie, ohne etwas gefunden zu haben, wieder zusammenbaute, bemerkte er diesmal allerdings eine Merkwürdigkeit, als er den Zeiger wieder aufsetzen wollte, bemerkte Poppe, dass die Ränder der Zeigerachse flach geschliffen worden waren. Er setzte einen Uhrschlüssel auf und tatsächlich – durch die Achse und durch eines der Standbeine ging eine äußerst filigrane Uhrfeder, die das Uhrwerk am Laufen hielt.

Der junge Ruhm der Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen Künste, als auch der Moritz Poppes stiegen ganz bedeutend und Poppe wurde im Jahr darauf ordentlicher Professor an der Universität in Tübingen und Frankfurt wurde zur Stadt der Uhren.

Aber auch Geisers Ruf hat dieser kleine Betrug nicht geschadet, schon 1818 präsentierten Verwandte von ihm ein neues, diesmal echtes, Perpetuum Mobilie und zeigten es in ganz Europa.

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