Alexander Ruhe: 1851 - Olfs galvanische Sonne, das elektrische Licht kommt nach Frankfurt. November 2014

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

Den ersten Durchbruch erlebte das elektrische Licht in Paris, dort wurden  elektrische Kohlebogenlampen schon Anfang der 1850er benutzt um Tag und Nacht an Hausmanns Boulevard-Durchbrüchen arbeiten zu können. Sogar schon 1848 war Meyerbeers Oper "der Prophet" durch das elektrische Licht ein überragender Erfolg beschieden, als, statt einer gemalten Theatersonne, eine Bogenlampe, eine galvanische Sonne, am Theaterhorizont aufging.

die galvanische Sonne Leon Foucaults von 1848

1851 sollte der Prophet auch in Frankfurt aufgeführt werden und natürlich brauchte man dafür auch die künstliche Sonne. Einfach so bestellen  konnte man konnte man ein derartiges Hightech- Gerät natürlich nicht und deshalb baute hier der "Mechanikus" Olf eines, eine Frankfurter Sonne. Am Abend des 02.April 1851 wurde sie in der Mainlust, einem Ausflugs-Gartenlokal vorgestellt (dort wo sich heute das Restaurant "Nizza" befindet, am westlichen Ende des Anlagenrings). Die Vorführung überzeugte, noch im Abstand von 200 Schritten war das Licht so grell, dass man kaum hineinschauen konnte und als der Apparat zum Main hin gedreht wurde, beleuchtete man damit problemlos das andere Ufer und noch im Abstand von 400 Schritten konnte man die Speisekarten des Lokals im Schein der Bogenlampe lesen. Eine Sensation !

Die Lampe Olfs blieb jetzt in der Mainlust. Deren Besitzer bewog die Theaterdirektion auf ihre Theatersonne zu verzichten und er kaufte sie - zum Entertainment seiner Gäste und die ließen sich begeistern, von weit her kamen die Gäste um das neue Licht zu sehen. Im Februar 1852 war das elektrische Licht so beeindruckend, dass sowohl aus Mainz, Darmstadt und sogar aus Mannheim Polarlichter über Frankfurt gemeldet wurden. Aber auch die Sonne der Mainlust ging einmal unter, 1857/58 wurde der direkt vor dem romantischen Restaurant gelegenen Müllermain zugeschüttet und ab 1859 führten dort die Gleise der Verbindungsbahn entlang, was der Romantik einen mächtigen Abbruch tat. Die Mainlust musste schließen  und das Theater kam doch noch zu ihrem Recht - im März 1860 leuchtete Frankfurts Sonne zur Denorah, wieder von Meyerbeer.

 

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