Alexander Ruhe:
Unterartikel zu: Duell im Stadtwald.
1908- Robert Heymann und Mary Irber in
Frankfurt. Januar 2026
Die von mir beschriebene Duellgeschichte mit blutigem Ende im Frankfurter
Stadtwald, hatte der Münchner Autor Robert Heymann aufgegriffen und genauso
wiederzählt, mit dem Unterschied, dass in Heymanns Buch "der Eiserne Steg" von
1910 das Ganze in einem Happy End endete. So ein Happy End gehörte sich aber
auch für Robert Heymann. Heymann war einer der "Ganzviel-Schreiber" des späten
Kaiserreichs und der Weimarer Republik; er hatte zu Allem was zu sagen. Heymann
war einer der ersten Pioniere des deutschen Science Fiction Romans, er schrieb
Gedichte, Theaterstücke und Chansons, viele Fortsetzungsromane für Zeitungen, Krimis, Schmuddelromane und wenn es in der
zeitgenössischen Diskussion um die Fremdenlegion ging, schob er einen Roman zu
einem Fremdenlegionär nach, kurz nach der Ermordung des russischen Mönchs, auch
einen zu Rasputin und als dann der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde es
auch patriotisch. Erst mit diesen Weltkriegsromanen schaffte es Heymann in die
Spalten der seriösen Presse, denn erzielten seine Bücher auch riesige Auflagen,
so fielen sie doch in die Sparte des Groschen-Romans, Bücher und Hefte, die man
eher am Bahnhofskiosk, als in der Buchhandlung erwarb. Ganz aktuell erlebt
Heymanns Werk ein Revival in Form von herunterladbaren Hörbüchern. "Seine
Romane sind dem Leben getreu nachgebildet und weisen unter großer Spannung einen
feinen, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ton." - konnte man 1911 über
Heymanns Werk lesen.
Warum schrieb aber der Münchner Dichter einen Roman mit Frankfurter
Lokalkolorit, den man (zumindest soweit ich das heute noch recherchieren konnte)
auch außerhalb Frankfurts gar nicht kaufen konnte? Heymann war einer der frühen
Variete-Liederdichter und Frankfurt war eine der Variete-Hauptstädte
Deutschlands. Anfangs kam er hier aber nicht so gut an. 1905 schieb eine
Frankfurter Zeitung über eine Aufführung: "Robert Heymann, der Sänger der
Verneinung ...das greift an die Nerven und verscheucht alle Heiterkeit." Das
wurde 1908 aber anders; als Ableger des Intimen Theaters in München, war auch in
Frankfurt ein Intimes Theater eröffnet worden und hier trat nun der Star der
Münchner Bretterl-Szene, Mary Irber auf.

in der Biebergasse 8 war zuvor das Cafe Neuf, später dann das Schuhhaus
Görtz, jetzt wurde es ganz neu saniert
Mary Irber war, wenn auch noch jung, eine der großen Münchner
Chansonieren und eine der ersten weiblichen Kabarettistinnen in Deutschland.
Auch hier in Frankfurt sang sie - monatelang - , von Heymann geschriebene,
anzügliche Texte und das ganze nur leicht bekleidet (was damals hieß: "bis auf
das Korsett entblößt").

"Es geht ein Gedicht über die Bühne, wenn Mary den Raum durchschreitet",
konnte man im Frühjahr 1909 hier in Frankfurt lesen und sicherlich hatte es sich
auch Heymann es sich nicht nehmen lassen , sich auch in Frankfurt im Erfolg
zu sonnen und dann hier von dieser Duellgeschichte zu lesen. Anscheinend hatte
er hier auch Kontakte zu hiesigen Zeitungsleuten geknüpft, denn sein Roman: Der
Eiserne Steg wurde im Eigenverlag der Frankfurter Nachrichten herausgegeben und
jahrelang wie sauer Brot beworben. Als Fortsetzungsroman erschien er dann als
"Fremdes Blut" zum Beispiel 1911 auch in einer Mannheimer Zeitung. Und
Fortsetzungsromane kauften die Zeitungen nur für billig Geld an, wie es Haymann
selbst in seinem Fortsetzungsroman "um die Ehre gespielt", veröffentlicht im
Februar 1909 in den Dresdner Nachrichten, beschrieb.
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