Alexander Ruhe: 1807 - Napoleon läßt seinen Frankfurter Paladin Dalberg springen.  Januar 2026

Ein Artikel aus der Reihe: Frankfurter Zeitungs-Archäologie

1807 war der Kaiser der Franzosen, Napoleon, auf dem Höhepunkt seiner Macht angekommen. Er hatte Österreich in die Schranken gewiesen, Preußen gedemütigt und mit seinem russischen Rivalen, dem Zaren Alexander auf einem Floß auf der Memel, Frieden geschlossen. Französische Dichter lobhudelten schon, die Briten würden dieses Floß wohl mehr fürchten, als die ganze französische Flotte. Das war nur schwer zu toppen, aber Deutschlands Dichtern und Zeitungsschreibern gelang das, die machten aus Napoleon kurzerhand "Napoleon den Großen". Und dieser große Napoleon wollte jetzt heim. Über Dresden, Fulda und Frankfurt sollte es nach Paris gehen.

Da war hier in Frankfurt die Aufregung groß und der ehemalige Erzbischof von Mainz, Karl von Dalberg, gerade einmal seit einem guten halben Jahr von Napoleons Gnaden Fürst von Frankfurt war am Rotieren. Alles musste perfekt sein. Alles wurde geputzt und gewienert,  Mädchen in weißen Kleidern übten Lieder ein, das Militär übte das Paradieren, am Beginn der Zeil wurde ein Napoleon verherrlichender Triumphbogen mit hölzernen Pyramiden links und rechts errichtet, das Thurn- und Taxis-Palais, das Stadtschloss wurde herausgeputzt und  das  Eschenheimer Tor  in Karlstor umbenannt und alles war bereit, der große Napoleon konnte kommen - aber er kam nicht!

An drei aufeinanderfolgenden Tagen standen im Ausnahmesommer 1807, in dem der Wein schon Anfang August reif war, die Frankfurter und die französischen Soldaten (große französische Truppenkontingenten kamen über Wochen durch Frankfurt marschiert in Richtung Frankreich, heim aus dem Krieg) standen viele, viele Stunden lang Spalier, die Honoratioren und das Bürgertum gleich mit, die Mädchen in ihren weißen Kleidern standen auch schon bereit und Fürst Karl, Fürstprimas des gerade neu entstandenen Rheinbundes, fuhr an drei aufeinanderfolgenden Morgen aus der Stadt heraus, um seinen Kaiser an der Stadtgrenze zu empfangen und kehrte dann abends, nach stundenlangem Ausharren an der Grenze auch wieder zurück und gearbeitet wurde in Frankfurt auch nicht, es war ja ein Feiertag. am 24.Juli, um 17.30h kam er dann endlich und Karl, die Frankfurter und der halbe Hochadel der Rheinbundstaaten, die auch da waren, konnten aufatmen. Die Glocken wurden geläutet, die Kanonen abgefeuert deutsche, französische und auch spanische Soldaten (die auch gerade auf dem Durchmarsch waren) standen Spalier, die Mädchen sangen und im Thurn- und Taxis-Palais gab es einen großen Empfang, mit Bankett. Der Fürstprimas fragten seinen Ehrengast nun, womit er ihm denn eine besondere Freude machen könnte und Napoleon antwortete: "mit einer Ananas".  Für das Bankett (das wohl auch schon zum dritten Mal zubereitet worden war)  waren zwar alle Gaumenfreuden der westlichen Welt eingekauft worden, eine Ananas aber nicht und während fieberhaft ganz Frankfurt nach einer Ananas abgesucht wurde, nahm Napoleon ein Bad, führte diplomatische Gespräche mit einem österreichischen General und zeichnete auch gleich schon mal die Grenzen eines zu schaffenden noch-größeren Rheinbundes auf einer Karte ein und dann - abends um zehn fuhr er einfach ab, ohne dass er oder irgendwer sonst etwas gegessen hätten (in einer Schweizer Zeitung konnte man lesen, Napoleon und der Fürstprimas hätten, nur bedient vom Leibmamelucken .des Kaisers alleine diniert).

Das spätere "Großherzogtum" Frankfurt, das Reich, über das Karl von Dalberg herrschte 1807 aber noch ohne Hanau, dafür mit Regensburg Frankfurt war also eine Exklave

Einige Fürsten des Rheinbundes waren etwas besser informiert als Karl, wussten wohl, dass Napoleon in Dresden Zeit verbummelt hatte und kamen erst am 25. in Frankfurt an, da war der Kaiser aber schon wieder weg und eilig reiste man ihm nach Mainz nach, wo Napoleon sich aber auch nicht aufgehalten hatte und so waren die Besserinformierten am Ende die Dummen.

Zeit zum Durchschnaufen nahm sich aber Karl von Dalberg nicht, umgehend reiste er nach Würzburg zurück, von wo er zuvor erst gekommen war (eine mindestens 8 stündige Kutschfahrt) um  zwei Tage später dem Kaiser nach Paris nachzureisen, wo es galt der Hochzeit des Königs von Westphalen, Napoleons Bruder, beizuwohnen.

Karl war jetzt also in Paris, da kam Napoleons Geburtstag ins Land, den man jetzt in Frankfurt - in aller Ruhe und ohne Napoleon - feierte. Am 15.August 1807 wurden morgens um 6 Uhr 50 Kanonen abgefeuert, in allen Frankfurter Kirchen wurde ein Tedeum für den Kaiser gesungen, auch das unter Kanonendonner, Frankfurter und französische Soldaten paradierten durch die Stadt und endlich kam auch der pyramidenbewachte Triumphbogen zum Einsatz, den man abends auch noch schön illuminierte und endlich fand auch im Thurn- und Taxis Palais ein Bankett statt, bei dem auch wirklich etwas gegessen wurde. Also alles gut!

Die Badewanne, in der Napoleon in  Frankfurt badete, war übrigens die Badekabine der Witwe Tiererich; diese war verstorben und ihr ganzes Inventar - inklusive kupferner Badebütt - sollte eigentlich im dem Thurn- und Taxis-Palais nahegelegenen Senckenbergstift versteigert werden. Diese Versteigerung war aber durch den verzögerten Napoleonbesuch verschoben worden und so hatte man für den Kaiser eine repräsentative Badegelegenheit zur Hand und ganz bestimmt ist der Verkaufspreis der Wanne nach dem Napoleonbesuch ordentlich in die Höhe gegangen, war sie jetzt doch ein Korsenmemorabilum.

Solch ein Fürstenzug war  eine logistische Herausforderung. Napoleon war nicht alleine unterwegs, sondern mit einem Hofstaat, Gepäck und Begleitmannschaften. Insgesamt wurden dafür 150 Pferde benötigt. In Deutschland wurden alle 2 Meilen = 14km die Pferde gewechselt (in Frankreich lagen die Relaisstationen dichter). Napoleon reiste aber mit jeweils einer alternativen Route, so dass auf jeder dieser Routen alle 14 Kilometer 150 Pferde bereitgehalten werden mussten. Wenn Napoleon also zwei Tage zu spät kam, hieß das, dass tausende von Pferden auf ihn gewartet haben, getränkt und gefüttert werden mussten und wenn Napoleon überraschend sich um 22 Uhr entschließt weiterzufahren, dann mussten eine Stunde später in Höchst und in Hattersheim  die nächsten 150 Pferde bereitstehen.

 

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