Im Sommer 1732 war eine Flut von protestantischen Flüchtlingen, vertrieben aus dem Salzburger Land über Frankfurt ins protestantische Deutschland, vor allem nach Preußen gezogen und endlich wollte es einmal ein bißchen ruhiger werden, da traf eine Wetterkatastophe den Odenwald und das angrenzende Taubertal. Am 29.September, dem Michaelistag - und der Erzengel Michael war immerhin der Schutzpatron Deutschlands - regnete es im Odenwald und im Unterfranken, südlich des Mains, derart heftig, dass die Erf, die Tauber und auch alle Bächlein und Flüßchen im Odenwald blitzartig über die Ufer traten und alles rechts und links ihres Weges mit sich rissen. An Erf und Tauber wurden ganze Dörfer entvölkert, eine Katastrophe, die sich eigentlich nur mit dem Ahrtalhochwasser von 2021 vergleichen läßt. Innerhalb von Stunden wurden auch Wertheim, dort mündet die Tauber in den Main und Miltenberg, an der Mündung der Erf, Opfer dieser Flut, aber auch das weit entfernte Bensheim an der Bergstraße war heftig betroffen.

Ein Kupferstich, der darstellt, wie Trümmer und Leichen 1732 über die Tauber bei Wertheim in den Main gespült werden
Ungewarnt, hatte die Bevölkerung keine Möglichkeit, irgendwelche Vorkehrungen zu treffen und Alles und Alle wurde davongespült. Das erste Hindernis, dass sich dieser Flut entgegenstellte, war die Alte Brücke in Frankfurt. Viele tote Menschen, auch Kleinkinder in ihren Wiegen, wurden an Frankfurt vorbeigespült und noch viel mehr totes Vieh, das mit seinen Stallungen davongerissen worden war. Mitten in der Nacht zum 30.September drang das Wasser auch hier durch die Flußtore und flutete die Keller und die Gassen der ahnungslosen Stadt. Große Mengen von Trümmern, Brenn- und Bauholz, das an den Ufern aufgeschichtet gelegen hatte, selbst hölzerne Mühlräder und auch hunderte von führerlos gewordenen Flößen, wurden in Frankfurt angeschwemmt und selbst die jahrhundertelang bewährten Stockagen vor der Alten Brücke, die eigentlich Treibgut von der Brücke fernhalten sollten, konnten diese Holzflut nicht aufhalten und die Holzmassen sperrten sich vor den Brückenbögen und es gab kein Durchkommen mehr. Mehr als 100 Frankfurter Fischer waren 12 Tage lang mit dem Wegschaffen des Trümmerholzes an der Brücke beschäftigt und die abfließende Flut hintertließ am Mainufer und in den Kellern eine halb-meter ( zwei Schuh) hohe Schlammschicht.

Die Alte Brücke und die Stockagen auf dem Bodenehr-Plan von 1726
Wurden auch die Holzmassen Unterfrankens von der Alten Brücke aufgehalten, die Bau- und die Brennholzlager Frankfurts, die fein säuberlich am Mainufer aufgestapelt gestanden hatten, wurden jetzt in Richtung Untermain und Mainz mitgerissen.
In Frankfurt ist diese Katastrophe weitgehend vergessen, war nur ein Hochwasser unter vielen. In Bürgstadt (gleich oberhalb von Miltenberg am Main) aber, wurde 2017 die 285ste Wiederkehr dieses traumatischen Ereignisses mit einem Theaterstück gedacht, das das ganze Dorf einstudiert hatte.