Alexander Ruhe:
1567 - Die Nachtigall. Eine Frankfurter Liebe und die Einführung der Zensur.
Juli 2026

Titelblatt der "Nachtigall"
Zur Frühjahrsmesse 1567 ging es in Frankfurt hoch her, ein Spottgedicht machte
die Runde. Die Drucker kamen mit dem Drucken überhaupt nicht nach und schon bald
waren mehr als 1000 dieser Nachtigall-Blätter verkauft, in denen sich über den
Kaiser lustig gemacht wurde. Tatsächlich handelte es sich hier um einen Krieg
der Druckerpressen. Ein kleiner fränkischer Ritter, Wilhelm von
Grumbach, Protestant, der sich von den modernen Zeiten ungerecht behandelt
fühlte, wollte es dem reichen Bischof von Würzburg, der ihm übel mitgespielt
hatte, mal zeigen und überfiel dessen Residenz Würzburg. Das ging
natürlich nicht und der Kaiser, Kaiser Maximilian II., erklärte die Acht über
ihn. Ritter Grumbach floh jetzt ins protestantische Gotha, das von
kaiserlichen Truppen - erst mal - erfolglos belagert wurde. Dieser Kampf David
gegen Goliath, den Grumbach mit gedruckten Pamphleten, die er aus Gotha
herausschmuggeln lies noch untermalte, kamen beim protestantischen Volk gut an,
deshalb wohl der hohe Absatz der Nachtigall. Bei wem das aber nicht so gut
ankam, das war der Kaiser. Nachdem seine Truppen Gotha doch noch eingenommen
hatten und der kleine Ritter Grumbach gevierteilt worden war, wandt sich der
Zorn Maximilians der Stadt Frankfurt zu.
Maximilian,
der erste Kaiser, der in Frankfurt gekrönt worden war schrieb jetzt an den Rat
der Stadt: der Kaiser, fühlt sich von Frankfurt so beleidigt, dass er der Stadt
ihr Messeprivileg entziehen wolle, würde man nicht sofort den Verkauf der
Nachtigall unterbinden und den verantwortlichen Drucker nach Wien schicken. Das
saß! Sofort zog man alle Exemplare dieses Druckwerkes, derer man habhaft werden
konnte ein, ließ den Drucker Hans Schmid in Ketten legen und nach Wien schicken,
zusammen mit einem Geschenk von 30.000 Goldgulden. Drucker Hans, der eigentlich
in Frankfurt gerade hatte heiraten wollen, saß nun in Wien im
Gefängnis. Die Stadt Frankfurt, die ja den Schuldigen ausgeliefert hatte und
wieder in der Gunst des Kaisers stand, dachte, sie habe ja ihre Schuldigkeit
getan und ermittelte nicht weiter. Wer es dabei aber nicht belassen wollte, das
war die Braut des Druckers, Elisabeth, die Tochter des Frankfurter Druckers Hans
Lechler. Die Elisabeth wollte ihren Verlobten aber nicht so schnell aufgeben und
so zog ein Martin Lechler Druckereibesitzer,, sicherlich ein Bruder oder Onkel der Braut ins Land
hinaus und verfolgte den eigentlichen Autor des Gedichts, den armen Frankfurter
Gelehrten Wilhelm Clebitius, der dem armen Druckergesellen Hans weiß gemacht
hatte, mit seinem Gedicht das schnelle Geld machen zu können.
Clebitius schrieb aus seinem Versteck noch einen langatmigen
Rechtfertigungsbrief, in dem er sich als ein Held der Wahrheit darstellte nach
Frankfurt, das machte ihm den Kaiser, dem dieser Brief umgehend geschickt worden
war, aber auch nicht gewogener.

Nach zwei Jahren kehrte Martin in die Heimat zurück und erklärte, er habe
Wilhelm Clebitius in Paris aufgespürt, wo dieser aber mittlerweile verstorben
sei. Der Kaiser entließ Hans nun und wies sogar noch den Rat der Stadt Frankfurt
an, ihn wieder in die Bürgerschaft aufzunehmen. Für Elisabeth also ein Happy
End, denn 1569 konnte nun geheiratet werden.
Frankfurt aber stand von nun an unter einer strengen pro-kaiserlichen Zensur.
30.000 Gulden, die man sich dazu auch noch hatte leihen müssen, wollte man nicht
zu oft ausgeben müssen. Von nun an wurde die
Zensur in Frankfurt vorauseilend
ängstlich praktiziert.



1855 veröffentlichte der Frankfurter Polizist und Demokratenjäger, aber auch
Lokalpoet Wilhelm Pfeiffer als Fortsetzungsroman,
über mehrere Monate hinweg, in einer Frankfurter Zeitung seine "Nachtigall" . Aus
Clebitius wird hier ein gewiefter Demagoge und Volksverhetzer, dem er in den
Mund legt: "Ich will ein Liedlein singen, dessen Klang in jedem Bauers Ohr
ertönen, das aber auch das Gehör des Kaisers erschüttern soll." und aus Hans
macht er einen tumben, liebestollen Tropf.
"Die Geißel der Satire kann Unschuldige wohl berühren, hingegen nur Schuldige
schmerzen."
Pitschaft der
Unaufhaltsame 1822 in Frankfurt
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